Wie das Leben so spielt


Hallo!

Heute zeige ich Euch nichts kreatives, denn derzeit ist mir eher weniger nach basteln. Eigentlich möchte ich mich im Moment einfach nur in ein Mauselos verkriechen und ne ganze Weile nicht mehr rauskommen. Aber das Leben geht weiter und man hat als Mutter, Ehefrau und Arbeitnehmer so seine Verpflichtungen, also "Zähne zusammen beißen und weiter machen "

Heute schreibe ich über ein Thema, das auf Blogs oder auch ganz im allgeinen gerne im wahrsten Sinn totgeschwiegen wird oder zumindest mit einem dicken Kloß im Hals besprochen wird.

Vor vier Jahren habe ich meinen Papa beerdigen müssen. Daran habe ich immer noch zu knabbern, denn mein Vater ist gestorben, als ich ihn am Telefon hatte und ich konnte ihm nicht helfen. Wir hatten die 3 Monate zuvor eine sehr intensive Zeit. Ich habe ihn täglich zur Strahlentherapie gefahren und da hatten wir Zeit über so vieles wichtiges aber auch belangloses zu Reden. Ich bin so dankbar für diese Zeit.

Die Trauer und der Schmerz um seinen Verlust ist in den vier Jahren weniger und erträglicher geworden. Doch nun ist auch meine Mutter von uns gegangen und mit ihrem Tod ist auch die Trauer um meinen Papa wieder präsenter. Es ist seltsam, aber um meinen Vater kann ich - auch nach vier Jahren - mehr oder besser trauern, als um meine  Mutter.

Damals als ich am Grab meines Papas die Rede gehalten habe, haben mir und so vielen unerwarteten Trauergästen folgende Worte von Thorton Wilder Trost gespendet. Diese Worte bzw. Rede möchte ich heute mit Euch hier teilen. Vielleicht helfen diese Worte manchen unter Euch auch.


"Da ist ein Land der Lebenden und da ist ein Land der Toten; als Brücke dazwischen ist unsere Liebe.
Da ist ein Land der Lebenden. Wir haben dieses Land mit ihm erlebt. Manche von uns sind mit ihm einige Schritte gegangen, andere fast den gesamten Lebensweg. Über die Zeit im "Land der Lebenden", gemeinsam mit ihm, haben wir viele Erinnerungen und können sehr viel erzählen. Gerade in den letzten Tagen sind viele dieser Erinnerungen wieder wach geworden.

Wir erinnern uns an glückliche Stunden mit ihm in unserer Mitte, an lustige Erlebnisse, an Feste und Feierlichkeiten mit ihm, an Freude und Ausgelassenheit; doch da sind auch Erinnerungen an Krankheit, an traurige Erlebnisse und schwere Stunden.

Die Erinnerungen an ihn in diesem Land der Lebenden sind unterschiedlich. Erinnerungen an glückliche Stunden sind dabei, an lustige Erlebnisse, an Feste und an Feiern mit ihm, an Freude und Ausgelassenheit. Doch da sind auch Erinnerungen an Krankheit, an traurige Erlebnisse und schwere Stunden. In der Stille kann sich nun jeder einen Augenblick lang selbst erinnern an die Schritte und Wege mit ihm, die man besonders in Erinnerung behält.

Da ist ein Land der Lebenden - und da ist ein Land der Toten, sagt der Dichter. Über das Land der Lebenden gemeinsam mit ihm haben wir viele Erinnerungen und könnten noch viel mehr erzählen, mehr noch, als die Zeit hier und heute reicht.

Über das Land der Toten, können wir nichts sagen. Dahin ist er nun unterwegs. Wir wissen nicht, wie es dort sein wird und was ihn dort erwartet. Wir können ihm nur hilflos nachblicken. Wir geben ihm aber unsere guten Wünschen mit für die Wege, die er nun geht, für das Land, das ihn erwartet.

Da ist ein Land der Lebenden und da ist ein Land der Toten; und als Brücke zwischen beiden steht unsre Liebe. Diese Brücke ist stark; sie wird lange halten; bei einigen von uns für alle Ewigkeit.

Es ist eine Brücke, gebaut aus Steinen der Liebe, befestigt mit unseren Tränen, verfugt mit unseren Erinnerungen und unseren guten Gedanken. Lasst diese Brücke stark sein, als Verbindung zu ihm; als Verbindung über die Grenze hinweg, über die Grenze zwischen dem Land der Lebenden und dem Land der Toten.

Da ist ein Land der Lebenden und da ist ein Land der Toten; und da ist als Brücke zwischen beiden unsere Liebe.

Tschüss, adieu, bis dann, bis irgendwann, bis auch wir über diese Brücke gehen werden."

Ich habe diese Worte im Internet gefunden als ich die Trauerfeier für meinen Papa vorbereitet habe.

Diese ganze Arbeit - man glaubt immer gar nicht wie viel Arbeit das ist - hat mir unendlich gut getan. Die konkrete Auseinandersetzung mit dem Tod und dem was danach alles zu erledigen ist, die ganzen bürokratischen Sachen und die Vorbereitung der Beerdigung sowie der Trauerfeier danach hat mir die Gelegenheit gegeben das Leben meines Vaters so wie ich ihn kannte und liebte zu reflektieren und seinen Tod zu akzeptieren.

Ich habe damals sehr vieles selbst gemacht. Angefangen von dem Entwurf für die Zeitungsanzeige, die Karten an die Trauergäste, die Blumen die dekorative Ausstattung der Trauerfeier und die Grabrede. Die Grabrede habe ich deshalb selbst gehalten, da wir keinen Pfarrer beauftragen wollten - meinem Papa ging das BlaBla der Kirche immer mächtig auf die Nerven. Die Rede - auch wenn ich nur zitiert habe - hat jedem sehr gut gefallen, genauso wie der Baum den wir für meinen Papa ausgesucht hatten. Eine Rotbuche.

Nun ist auch meine Mama dort unter der Buche.